Kapitel II · Whispers of Autumn

FOREST DROP

Ein Tag am Fenster

Sechs Paare Forest-Drop-Ohrringe in den Farben des Herbstwaldes auf einem Holzgestell

Morla wusste schon beim Aufwachen, dass sie an diesem Tag nicht in den Wald gehen würde. Der Regen trommelte gleichmäßig auf das Dach der kleinen Hütte, und als sie aus dem Fenster sah, hing der Himmel grau zwischen den Bäumen. Der Woodland Trail war kaum zu erkennen. Nasses Laub bedeckte den Boden, Wasser rann an den Stämmen hinunter, und von den Ästen fielen schwere Tropfen auf die Farne darunter. Morla betrachtete das eine Weile.

„Nein“, sagte sie schließlich. Der Wald würde morgen auch noch da sein.

Sie machte sich einen Tee. Dann zog sie die dicksten Socken an, die sie finden konnte, und setzte sich an ihren Tisch. Wenn sie schon nicht hinausging, konnte sie wenigstens ein wenig Ordnung schaffen. Vor ihr standen kleine Schalen mit Perlen, Garnrollen lagen dazwischen, und in einer Ecke des Tisches hatte sich eine erstaunliche Sammlung von Dingen angesammelt, bei denen Morla irgendwann beschlossen hatte, sie später wegzuräumen. Offenbar war jetzt später.

Sie begann zu sortieren. Holz zu Holz, Metall zu Metall, kleine Perlen in die eine Schale, größere in die andere. Dabei fiel ihr das rundgeschliffene Stück Holz in die Hände, das sie am Bach im Hidden Grove gefunden hatte. Morla drehte es kurz zwischen den Fingern und legte es anschließend zurück an seinen Platz. Daneben lagen einige klare facettierte Perlen. Für einen Moment dachte sie an den frühen Morgen am Bach und an die Tautropfen zwischen den Gräsern. Inzwischen fühlte sich selbst dieser Morgen weit entfernt an.

Draußen wurde der Regen stärker. Ein Windstoß drückte feuchte Luft durch das angelehnte Fenster, und Morla zog die Schultern hoch. „Das reicht jetzt aber.“ Sie stand auf und schloss das Fenster.

Wenig später saß sie mit ihrer Tasse und einer Decke auf dem Bett. Die Perlen konnten warten. Morla lehnte sich zurück und sah hinaus. Der Wald hinter der Scheibe verschwamm im Regen. Tropfen sammelten sich auf dem Glas und begannen langsam daran hinunterzulaufen.

Morla beobachtete einen davon. Er zog eine schmale Spur hinter sich her, blieb kurz stehen und setzte sich dann wieder in Bewegung. Ein zweiter Tropfen kam von der Seite. Beide trafen aufeinander. Für einen Augenblick hielten sie inne, dann liefen sie gemeinsam weiter, größer und schneller als zuvor.

Morlas Blick wanderte über die Scheibe. Überall entstanden solche kleinen Wege. Manche Tropfen liefen fast gerade hinunter. Andere änderten ihre Richtung, trafen auf eine fremde Spur oder blieben irgendwo am Glas hängen, bis ein weiterer Tropfen sie erreichte und mitnahm. Es war erstaunlich beruhigend. Morla zog die Decke etwas höher und trank ihren Tee. Eine ganze Weile geschah überhaupt nichts. Und das war vollkommen in Ordnung.

Eine warme Hüttenecke mit Teetasse und Laterne am Fenster zum regennassen Herbstwald

Erst später kehrte sie an ihren Tisch zurück. Die Schalen standen noch genauso dort, wie sie sie verlassen hatte. Morla setzte sich und schob einige der kleinen Perlen vor sich hin. Eine hier. Eine dort. Dazwischen Garn. Sie dachte an die Regentropfen auf der Scheibe und an die schmalen Spuren, die sie hinterlassen hatten. Dann nahm sie einen Faden.

Diesmal gab es keinen Fund aus dem Wald, den sie neben sich legen konnte. Kein Blatt, keinen Farn und kein kleines Stück Holz, das sie an einen bestimmten Ort erinnerte. Nur den Regen draußen. Und das genügte.

Während Morla knotete, liefen weiterhin Tropfen über das Fenster. Ab und zu sah sie hinüber. Dann arbeitete sie weiter.

Als das Schmuckstück schließlich vor ihr lag, trommelte der Regen noch immer auf das Dach. Morla nahm ihre inzwischen fast leere Teetasse und betrachtete ihr Werk. Man musste offenbar nicht jeden Tag hinausgehen, um etwas vom Wald mitzubringen. Manchmal kam der Wald einfach ans Fenster.

FOREST DROP.

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