Kapitel II · Whispers of Autumn

FOREST DEW

Ein anderer Morgen

Sechs Forest-Dew-Armbänder mit Holzperlen und klaren facettierten Perlen vor herbstlichem Waldhintergrund

Einige Tage später wachte Morla früher auf als sonst. Draußen war es noch still. Der Himmel begann gerade erst heller zu werden, und über dem Boden zwischen den Bäumen lag ein dünner Nebel. Morla zog ihren Mantel an und verließ die Hütte. Sie wusste bereits, wohin sie wollte.

Der Woodland Trail lag ruhig vor ihr. Kein Wind bewegte die Blätter, und selbst ihre Schritte klangen auf dem feuchten Boden gedämpfter als sonst. Als sie die Abzweigung zum Wasser erreichte, musste sie nicht mehr überlegen. Sie folgte dem schmalen Weg hinunter.

Der Hidden Grove empfing sie anders als beim ersten Mal. Der Bach floss noch immer zwischen den moosbewachsenen Steinen hindurch, die alten Bäume standen unverändert um die kleine Lichtung, und doch sah alles anders aus. Überall lagen Tropfen. Auf den Gräsern am Ufer, auf dem Moos und an den Spitzen der Farne hing der Tau der Nacht.

Morla ging näher zum Bach. Ein Farnwedel strich an ihrem Mantel entlang und hinterließ eine dunkle, feuchte Spur im Stoff. „Na wunderbar“, murmelte sie und musste grinsen.

Sie setzte sich auf den Stein, auf dem sie schon bei ihrem ersten Besuch gesessen hatte. Damals hatte sie das kleine Stück Holz zwischen den Steinen gefunden. Heute suchte sie nach nichts. Sie saß einfach da und sah zu, wie der Morgen langsam in den Hain kam.

Dann erreichten die ersten Sonnenstrahlen das Wasser. Für einen Moment schien überall etwas aufzuleuchten. Das Licht traf die kleinen Tropfen auf den Gräsern und Farnen, brach sich darin und ließ sie zwischen dem Grün funkeln. Gleichzeitig spritzte das Wasser des Baches über die flachen Steine und setzte neue winzige Tropfen dazwischen. Morla konnte irgendwann nicht mehr unterscheiden, was Tau war und was vom Bach gekommen war. Es spielte auch keine Rolle.

Ein Tropfen hing an der Spitze eines Grashalms direkt neben ihr. Morla beugte sich näher heran. In seinem Inneren spiegelte sich das Licht so hell, dass er für einen Augenblick beinahe wie eine winzige Glasperle aussah. Dann löste er sich und fiel ins Gras.

Morla sah ihm nach. Und erinnerte sich an ihren ersten Besuch. Auch damals hatten Tropfen auf den Farnen gelegen. Auch damals hatte das Wasser im Licht geglitzert. Sie hatte es gesehen. Nur noch nicht wirklich beachtet. Vielleicht war das bei manchen Dingen so. Man konnte denselben Ort zweimal besuchen und trotzdem etwas vollkommen Neues entdecken.

Farnwedel und feuchtes Moos an einem Waldbach im warmen Morgenlicht

Später in der Hütte öffnete Morla eine kleine Schale mit Perlen. Zwischen Holz und Metall lagen einige klare, facettierte Perlen. Sie nahm eine davon heraus und hielt sie ans Fenster. Das Licht brach sich an ihren kleinen Flächen. Morla lächelte. Da war es wieder. Dieses kurze Funkeln zwischen den Gräsern am Bach.

Sie legte die Perle zu ihren Garnen und nahm eine zweite dazu. Dann begann sie zu knüpfen. Die kleinen klaren Perlen setzte sie zwischen die Knoten, nicht dicht nebeneinander, sondern dort, wo sie im Muster wie einzelne Tropfen auftauchten.

Als Morla das fertige Schmuckstück ins Licht hielt, blitzten sie kurz auf. Fast genauso schnell, wie ein Tautropfen am Morgen das Sonnenlicht einfängt und wieder verliert.

FOREST DEW.

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